Kapitalverwaltungsgesellschaften – Das Berichtswesen: Das ideale Schaufenster

Kapitalverwaltungsgesellschaften

Das Berichtswesen: Das ideale Schaufenster

Falk Scherer, Geschäftsführer der Connos GmbH, stellt in den ExxecNews Spezial das Berichtswesen in den Kapitalverwaltungsgesellschaften dar.

Das Berichtswesen und insbesondere das Meldewesen werden in vielen Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) als lästige Pflicht empfunden, die ihnen das KAGB aufbürdet. Nicht selten bindet die Erstellung der Berichte und Meldungen kurz vor dem Veröffentlichungsdatum in erheblichem Maße interne Ressourcen, die dann im operativen Geschäft fehlen. Im schlimmsten Fall müssen Daten manuell aus diversen Quellen zusammengetragen und verarbeitet werden. Die Datenqualität und -konsistenz über Berichte und Meldungen hinweg ist oft nur mit erhöhtem Aufwand zu gewährleisten.

Dabei bietet das Berichtswesen für KVGen eine einzigartige Chance: Die Investorenberichte sind das Schaufenster der KVG. Sowohl mit hochwertig und korrekt aufbereitetem Inhalt als auch der äußeren Form kann sie sich bei Kunden und Investoren empfehlen. Liefert sie mehr als die im KAGB vorgeschriebenen Inhalte für Jahres- und Halbjahresberichte (letztere für Publikums-Sondervermögen) erschließt sie sich erst Kunden, die ihrerseits verschiedene Gruppen institutioneller Investoren ansprechen.

So sind große Versicherungen und andere Organisationen unter dem VAGRegime zu vierteljährlichen Meldungen verpflichtet. Wollen KVGen deren Asset Manager als Kunden gewinnen, ist es naheliegend, dass sich die Erstellung von Quartalsberichten für KVGen mit institutionellen Investoren als Standard etabliert. Auch Meldevorgaben unter Solvency II sind von Versicherungsunternehmen nur zu leisten, wenn ihre Asset Manager und KVGen ihnen entsprechende Daten rechtzeitig zur Verfügung stellen. Ist die KVG dazu nicht in der Lage, ist dies ein Ausschlusskriterium.

Ähnlich sieht es bei Banken, Sparkassen und anderen Kreditinstituten aus. Dort sind es die Anforderungen aus der Capital Requirements Directive (CRD) beziehungsweise Regulation (CRR) und Großkredit- und Millionenkreditverordnung (GroMiKV) im Rahmen der Basel III-Umsetzung, welche die zu liefernden Daten bestimmen. Hinzu kommen Meldepflichten der Bankenaufsicht und statistische Erhebungen.

Für AIF und OGAW sind es die Statistik über Investmentvermögen, die Berichtspflichten des AIFMD-Berichtswesens, Meldungen zur Geldwäscheprävention wie „Z4“ für Zahlungen im Außenwirtschaftsverkehr, CRS- und FATCA-Meldungen an das Bundeszentralamt für Steuern sowie Datenerhebungen von Verbänden wie BVI oder InRev (SDDS-Report).

Professionelle Investoren setzen entsprechende Datenlieferungen voraus und erwarten ein immer zügigeres Reporting mit hoher Transparenz für eigene Berichts- und Meldepflichten. Aber auch mit Blick auf private und semiinstitutionelle Investoren hat das Berichtswesen einen wesentlichen Einfluss auf das Image und die Markenbildung der KVG. Dazu müssen sie nicht nur vollständig, korrekt und verständlich sein, sondern auch einheitlich und standardisiert im Corporate Design der KVG gestaltet. Die Berichte sind das für Kunden und Investoren sichtbare Ergebnis ihrer Arbeit – das Schaufenster.

Die Berichte lassen sich unterscheiden in „Hochglanzstandardberichte“ und individuelle Berichte. Hochglanzstandardberichte werden regelmäßig, einheitlich und standardisiert im Corporate Design gedruckt oder als PDF geliefert. Dazu zählen Jahres-, Halbjahres-, Quartals- und Monatsberichte. Individuelle Berichte werden exakt den spezifischen Anforderungen einzelner Kunden beziehungsweise Investoren entsprechend erstellt und in der Regel als Excel-Dateien exportiert. Hinzu kommt das Meldewesen mit den obligatorischen Meldungen an die Behörden wie BaFin und Bundesbank, die zwingend im XML-Format zu liefern sind.

Sowohl das Berichts- als auch das Meldewesen setzen ein durchdachtes Datenmanagement voraus, um den Erstellungsaufwand zu minimieren, lähmende Belastungsspitzen vor den Veröffentlichungsterminen zu vermeiden und gleichzeitig eine hohe Datenqualität und -konsistenz sicherzustellen. Das lässt sich nur durch eine darauf ausgerichtete IT-Struktur mit einer zentralen und skalierbaren Datenhaltung sowie einheitlicher Datenverarbeitung und -definition erreichen.

Die Basis bilden die zeitpunktbezogenen, operativen Daten aus Verwaltungssystemen wie Buchhaltungs- oder ERP-Software, die über Schnittstellen in einem zentralen Datenhaushalt zusammengeführt werden. Die Qualitätskontrolle und entsprechende Vereinheitlichung der Daten sollte gleich beim Dateneingang erfolgen, denn die Homogenität der Daten aus den unterschiedlichen Quellen ist der Schlüsselfaktor für ein effizientes und skalierbares Berichts- und Meldewesen. In weiteren Schritten werden die Daten aggregiert und durch die Generierung von Kennzahlen angereichert.

Auf diesem Daten-Pool aufbauende ManagementSysteme wie AIFMControl versetzen die KVG erst in die Lage, ihr Portfolio- und Risikomanagement effektiv und effizient zu gestalten. Mittels spezialisierter Berichtsmodule lassen sich Hochglanzstandardberichte, wie auch Meldungen auf „Knopfdruck“ erstellen. Individuelle Berichte können leicht als PDF- oder Excel-Export dargestellt werden. Durch das Arbeiten mit einer Software und einer homogenen Datenbasis wird fachabteilungs- und berichtszweckübergreifend eine hohe Konsistenz ohne erhöhte Abstimmungs- oder redundante Datenverarbeitungsprozesse gewährleistet.

Unter diesen Vorrausetzungen kann das Investorenberichtswesen ein Schlüssel zu den verschieden Kundengruppen institutioneller Investoren sein. Als Schaufenster der KVG sollte es als Chance, nicht als Pflicht verstanden werden.